Ein leiser Weg nach Haus: Entlass mich, Gott

Dieses Gedicht lässt eine Sehnsucht aufscheinen, die über das Erwartbare hinausgeht.
Es öffnet einen Raum, in dem Sterben nicht nur Ende ist, sondern ein Weg, der sich löst und heimwärts führt.
Für mich fügt dieses Gedicht den beiden anderen Texten eine weitere Perspektive hinzu – der Geschichte von Frau G. und dem Blick auf das Sterben Jesu.
Eine Perspektive, die eine andere Sehnsucht ausdrückt und mir eine Hoffnung ist.

Sterben

Entlass mich, Gott, entlass mich aus der Zeit.
Es ist schon spät geworden.
Mein Herz ist schwer, so schwer von Müdigkeit.
Sei du mir wie der helle Stern im Norden
und leuchte mir den Weg aus dieser Welt.

Entlass mich Gott, entlass mich aus dem Glück,
davon ich reichlich schmeckte.
Ich will nach Haus, nur noch nach Haus zurück.
Will lassen, was ich trieb und was mich schreckte
und was mich noch auf dieser Erde hält.

Entlass mich Gott, entlass mich auch aus mir.
Mein Lied ist ausgeklungen.
Mein ganzes Sein sehnt sich nur noch nach dir.
zum letzten Mal hab ich mit dir gerungen,
du dunkler Schoß, in dem mein Werden fällt.

Giannina Wedde

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