Was will Gott von mir?

Was will Gott (von mir)?

oder:

wie kann ich den Weg finden, den Gott für mich vorgesehen hat?

Ich habe mir lange Zeit darüber Gedanken gemacht, und Woche um Woche, Monat für Monat sind verstrichen. Verzweifelt war ich auch manchmal: Vielleicht höre ich ja nur nicht gut genug hin.

Und dann habe ich ein You-Tube Video von Theos Art gehört: Gott finden ist nicht der Sinn meines Lebens. Wow hab ich gedacht: Eigentlich hat er recht, denn – wenn ich doch von Gott berührt bin – von seiner Liebe und ihn /sie / es gefunden habe – was dann? (Übrigens ist das Video echt hörens/sehenswert, hier ist der Link für die 7 Minuten).

Ich weiß doch von Gottes Liebe /die Liebe des göttlichen Geheimnisses und habe sie auch gespürt (s. Gottesberührungen). Und ich denke, viele von uns haben es auch. Sonst könnten wir nicht leben.
In diesen Momenten habe ich gewußt: Da ist etwas, was mein Begreifen übersteigt. Was wunderbar ist. Einen Frieden. Eine Klarheit. Eine Liebe.
Und dann? Dann möchte ich gerne, dass diese heilige Atmosphäre erhalten bleibt. Sehne mich danach. Und weil es für mich so heilig ist, denke ich, Gott muss auch etwas Besonderes von mir wollen. Vielleicht was mir schwerfällt, wo ich Opfer bringen muss. Wo ich die Heiligkeit als Konsequenz in meinem Leben spüre. Vielleicht eine dröhnende Stimme vom Himmel: Da geht es lang. und dann würde ich mit den ‘Zähnen knirschen und mich Gott hingeben.

Dies Stimme kam aber bei mir bis jetzt nicht. Nicht so. Keine Mühsal, die ich auf mich laden musste. Zweifel kamen bei mir auf: Bin ich dann doch nichts Besonderes? Habe ich mir alles eingebildet? Nein – aber Gott redet eben zu mir nicht mit dröhnender Stimme. Die Töne und Klänge sind eher leise. Und da musste ich schon genau hinhören.

Und das, was Gott dann sagt, ist für mich das Schwerste: Das Heilige ist doch schon da. Er/Sie/Es sind doch schon in mir. Wo soll ich da noch hin? Angelus Silesius (1624 – 1677, ein dt. Mystiker, Theologe und Arzt) schrieb:
Halt an, halt an – wo willstDu hin? Der Himmel ist in Dir. Suchst Du Gott anderswo, Du fehlst ihm für und für.”

Keine dröhnende Stimme. Nein. DU bist schon da. In mir. Und das ist für mich das Schwerste: Dass Gott schon in mir ist, heißt ja, daß ich so wie ich bin, gut genug bin. Dass ich werden kann, was ich bin, ohne mich zu überfordern, ohne permanente Kraftanstrengung. Ohne Mühsal. Der Weg, den Gott mir weist entsteht im Gehen. Im Tun. Und dazu gehört dann auch, dass ich mich liebe wie den Nächsten, wie Gott. Ich muss mich mit mir konfrontieren, kein Bypass, keine Hingabe für etwas, was ich nicht verstehe. Sondern mich ergründen, wo ich meine Talente entwickeln und leben kann, wo und wie ich die Liebe lebe, die Jesus vorgelebt hat. Und das kann eben leise sein, das ist es meistens auch. Gott ist ein “Tu-wort”, einer der da ist, da sein wird, der ist. Das ist sein Name.

Mir fällt ein, dass in der Bibel steht: Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen bzw.  die Fülle des Lebens haben (1. Tim. 2,3-4 oder Joh. 10,10)

Ach ja, was mir noch wichtig ist: Was Gott von mir will, dafür bin ich zuständig, das finde ich heraus – oder eben nicht. Aber das kann NIEMAND anderes sagen. Was Gott will oder nicht, das weiß auch kein anderer für mein Leben als ich – und Gott.

Ich kann andere um Hilfe bitten, ich kann vernetzt sein, und das ist gut. Aber wie dieser Weg ist, ob in der Kirche, außerhalb der Kirche, mit dem oder der Partnerin oder ohne, das kann nur ich entscheiden.
Es gibt leider zuviele, die glauben, dass sie wüssten, was das Richtige für mich ist.
Aber wenn ich mich an die Gottesberührungen oder Gipfelerlebnisse, diese klaren Erkenntnisse und zarten Berührungen erinnere, war da immer ein großes Ja zu mir enthalten. Und nie, wirklich nie so etwas wie: Du darfst keine Freude haben, du darfst nicht genießen, Homoseualität ist Sünde, dann kommst Du in die Hölle. Du darfst nicht traurig sein, nicht zweifeln, du darfst keinen Spaß an Sex haben.
Wenn ich solche Gedanken oder Gefühle oder Einstellungen hatte, waren das immer, immer, immer Stimmen von inneren Kritikern, irgendwelche Normen, die ich internalisiert habe. Meinungen von anderen, die das Leben erstickten.
Um diese Unterscheidung machen zu können, und auch Nein sagen zu können, dazu hilft mir auch die Unterscheidung der Geister.

Und das ist wirklich etwas, was ich weitergeben möchte: Ich glaube an einen Gott, der mich liebevoll anschaut, der mir sagt: Pass auf Dich auf. Sorg für Dich. Trau Dir was zu. Du bist kostbar, du mein Ebenbild.

Unsere tiefste Furcht ist nicht, dass wir unzureichend sind. .

Unsere tiefste Furcht ist, dass wir kraftvoll sind über alle Maßen.

Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, was uns am meisten erschreckt.

Wir fragen uns selbst: Wer bin ich, dass ich brillant, prachtvoll, talentiert

und sagenhaft bin?

Tatsächlich, wer bist du, um das alles nicht zu sein?

Du bist ein Kind Gottes.

Dein zögerliches Spiel dient der Welt nicht.

Es wird nichts erhellt dadurch, dass du dich kleiner machst,

damit andere sich in deiner Nähe nicht unsicher fühlen.

Wir wurden geboren, um den Glanz Gottes, der in uns ist, offenkundig zu machen.

Er ist nicht nur in einigen von uns, er ist in jedem von uns.

Indem wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen,

geben wir anderen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.

Indem wir uns von unserer eigenen Furcht befreit sein werden,

befreit unsere Gegenwart auch andere.

aus: Marianne Williamson, Rückkehr zur Liebe, Nelson Mandela zugeschrieben