Die drei Sinnebenen

Es gibt diese zwei Stimmen in uns, ja nicht nur ins uns, sondern auch in der Gesellschaft.
Die eine flüstert: „Sorg für dich selbst. Geh in die Sauna. Schalte ab. Sei unabhängig von Lob, Kritik oder Zuneigung. Wenn Du dich selber liebst, ist das andere egal. Sei frei.“

Die andere ruft: „Sei für andere da. Engagiere dich. Mach neben deiner Arbeit ein Ehrenamt. Sei nicht egoistisch, sondern gib deinem Leben Sinn durch Verbindung und Beitrag.“

Beide Stimmen haben recht. Und beide sind in ihrer Einseitigkeit unmenschlich.

Die drei Sinnebenen des Lebens
Drei Ebenen halten uns im Gleichgewicht in usnerem Leben:

  1. Der höhere Sinn
    Hier  beantwortet sich für mich die Frage nach dem Sinn des Lebens: Spirituelle Erfüllung, Heilung, ein gutes Leben verwirklichen. Die Frage: „Wofür stehe ich?“
  2. Die Umsetzung
    Wie lebe ich diesen Sinn? Als Nonne, Elternteil, Bäcker, Sozialarbeiter*in – hier gehe ich meinen inneren Sehnsucht oer meinen Ruf nach. Diese Ebene ist immer im Wandel. In der Rente ist es ein anderer Sinn als in der Schule.
  3. Das sinnliche Erleben
    Die Abendröte genießen, meditieren, mit allen Sinnen präsent sein, Gemeinschaft erleben. Die Frage: „Was brauche ich jetzt?“

Wenn ich eine Ebene hinterfragen muss, kann ich die Antwort nicht auf einer anderen Ebene finden. 

Wenn eine dieser Ebenen ins Wanken gerät, lässt sie sich nicht durch eine andere ersetzen. Wenn die Kinder ausziehen, und der 2. Sinn leer wird, kann nicht durch mehr Saunabesuche diese Sinnebene füllen, auch wenn er für einen Moment Entlastung bringt. Wer seinen höheren Sinn verloren hat, findet ihn nicht durch zusätzliche Aufgaben im Ehrenamt. Und wer sich selbst nicht mehr spürt erschöpft ist und nur noch im hamsterrad rödelt, wird durch eine neue Ausbildung nicht lebendiger.
Diese Einsicht ist unbequem, aber sie ist notwendig, um nicht in gut gemeinte, aber wirkungslose Strategien zu flüchten.

Einige indigene Traditionen Nordamerikas kennen die KIVA, einen runden, in die Erde eingelassenen Raum, der als Ort der Sammlung, der Klärung und der spirituellen Erneuerung dient. Man steigt hinab in die Tiefe, in des Mutter Erdens Schoß, in die Dunkelheit, in die Stille und kehrt nach einer Zeit der Sammlung, Meditation, des Rückzuges über eine Leiter wieder ans Licht zurück. (nach: Ladder to the Light: An Indigenous Elder’s Meditations on Hope and Courage)
Dieses Bild ist eine Einladung auch an uns, wenn wir erschüttert sind, wenn das Leben uns überfordert, wenn wir keine Antwort wissen sich selber zurückzuziehen, zu meditieren, wieder bei sich selber anzukommen. Um dann wieder in die Welt gehen zu können.
Die Bewegung des Kreuzes beeschreibt dies: Wir, in usnerer Mitte verbinden Himmel und Erde (Im Längstbalken des Kereuzes) und wir verbinden uns mit anderen, mit der außenwelt. im Querbalken des Kreuzes.

⚖️ Die Synthese: Integration beider Seiten
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Markus 12,31) – das ist keine Wahl zwischen zwei Optionen, es ist auch nicht: Erst das eine, dann das andere. Es bedeutet eine Integration beider Pole.

  • Du kannst nicht wirklich für andere sorgen, wenn du dich selbst vernachlässigst.
  • Du kannst nicht wirklich bei dir ankommen, wenn du dich von aller Verbindungen und Verantwortlichkeiten abschottest.

Du brauchst auf deinen Weg nicht alleine zu gehen.

Du musst nicht perfekt sein, um anzufangen – du darfst dir auch jetzt Zeit nehmen – für dich selber – und für andere.