spiritueller Missbrauch

Spiritueller Missbrauch – subtil und gefährlich

Spiritueller Missbrauch kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Der Missbrauch verletzt die eigenen Grundrechte und fängt oft subtil an. Da Spiritualität oft tabuisiert wird, fällt es schwer, darüber zu reden und mit anderen die eigenen Erfahrungen und die Fragen zu teilen. Dies ist aber wichtig.

Eine Form des spirituellen Missbrauchs ist der Missbrauch von außen

Wenn man die eigene Sehnsucht spürt, dann sucht man nach Antworten. Manchmal werden Antworten von Gemeinschaften, Kirchengemeinden, spirituellen Lehrern, Meistern aller Couleur, Pfarrern oder auch Psychotherapeuten gegeben. Das kann hilfreich sein. Aber wenn diese einengen, unfrei machen, nach und nach in eine innere Abhängigkeit führen, andere Vorstellungen und Meinungen nicht mehr zulassen und als Irrwege abtun, ist äußerste Vorsicht geboten.

Dem Menschen wird  z.B. vermittelt, dass er auf den eigenen Willen verzichten soll, weil dies sonst egoistisch sei. Der Wille Gottes soll geschehen. Das mag stimmen, aber wer weiß, was Gott will? Oft ist dieser verkündete “Wille Gottes” nur der Wille des Meisters, des Gurus, der Glaubensgemeinschaft.
Wenn man diesem “Willen Gottes”  nicht Folge leistet, wird unter Umständen ein schlechtes Gewissen hervorgerufen, und der Glaube benutzt, um den Widerstand zu brechen oder die Fragen und Zweifel zu verbieten, vielleicht werden “Unterentwicklung”, Gottferne oder gar Höllenqualen prognostiziert. Gott sei enttäuscht oder wende sich ab. Vielleicht wäre sogar der Teufel am Werk.
War man am Anfang in dieser Gruppe oder bei diesem Meister “genau richtig” war, sich gewohllt fühlte und umworben wurde; wird man zunehmend abhängig gemacht und kritisiert, man fühlt sich “falsch”, das “Sündige” wird immer mehr.

Aber: Man muss nicht in der Kirche oder in der Glaubensgemeinschaft sein, um Gott nahe zu sein oder ins Paradies zu kommen. Und keine der Gurus, der Kirchen oder Religionen der ganzen Welt hat den Weg zu Gott für sich gepachtet. Im Gegenteil weht oft Gottes Geist da, wo Gott es will und nicht wo die Menschen oder Institutionen es wollen oder als sinnvoll erachten.

Der sexuelle Missbrauch von katholischen Priestern, der “GottseiDank” jetzt in aller Munde ist, ist eine der extremen Formen des spirituellen Missbrauchs.

Mit dem spirituellen Machtmissbrauch der Funktion, der Institution, der Gurus, sind auch oft andere Formen des Missbrauchs verknüpft. (sexueller, finanzieller, emotionaler etc.)
Dieser Machtmissbrauch kann von einzelnen ausgeübt werden oder institutionalisiert sein; er kann subtil bleiben oder so massiv sein, dass der eigene Wille gebrochen wird und Teile der Seele zerstört werden.
Der sexuelle Missbrauch von katholischen Priestern (weltweit!), der “GottseiDank” jetzt in aller Munde ist, ist eine der extremen Form des spirituellen Missbrauchs. Gottes Stellvertreter auf Erden, der Mittler zwischen den Menschen und Gott, so wird oder wurde er häufig angesehen. Wenn dieser nun Menschen missbraucht, wird das Vertrauen nicht nur in leitende Positionen, sondern häufig auch in die Institution als Ganzes und zu Gott zerstört. Und die Enttäuschung der Menschen gegenüber der katholischen Kirche ist gerechtfertigterweise groß. Aber der Mißbrauch betrifft nicht nur die katholische Kirche, sondern findet in allen Bereichen statt. Der Unterschied ist, wenn andere Institutionen oder Organisationen eine offenere Einstellung haben und den Mißbrauch schneller ahnden, wie es z.B. häufiger in der evangelischen Kirche der Fall ist.

Es gibt viele Gründe, warum der sexuelle Missbrauch besonders in fast geschlossenen, ausschließlich von Männern dominierten Systemen so lange existiert. Dies betrifft wie gesagt nicht nur die katholische Kirche, sondern auch buddhistische Orden, Sozialwerke und am häufigsten leider die eigene Familie(!).
Ein Grund ist wohl die Stellung des katholischen Priesters, ein anderer, dass alle Sexualität für den Priester verboten ist, egal ob zu Frau, zu Mann oder zu Kindern. Und während der Mißbrauch nicht zum Ausschluss der “heiligen Kommunion” führt (da diese Sünde ja immer wieder gebeichtet und vergeben werden kann),  führt die Scheidung oder offen bekannte Homosexualität sehr wohl zum Ausschluss von den Sakramenten, weil der Mensch ja zu dieser “Sünde” steht. Das heißt, dass sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche nicht nur ein persönliches, sondern ein strukturelles Problem ist; hier wird momentan viel diskutiert und noch viel zu wenig verändert.
Es ist wichtig, die Opfer zu verstehen – zu schützen und zu helfen, dass diese auch spirituelle Wunden heilen können.

Die Unterscheidung der Geister ist ein hilfreiches Mittel für den eigenen Weg aus der christlichen Tradititon

Für alle, die auf dem Weg und auf der Suche sind, haben wir die dringende Empfehlung, auf dem eigenen Weg die “Mächtigen” oder LehrerInnen zu prüfen; ebenso wie die Inhalte, die man vermittelt bekommt (“Prüfet alles, das Gute behaltet” 1. Brief des Paulus an die Thessaloniker 5,21). Auch wenn es sich erstmal gut anfühlt, sollte man den kritischen Verstand immer dabei haben. Hilfreich hierfür ist die  “Unterscheidung der Geister”.

Viele meinen, wenn man sich der religiösen Gemeinschaft oder dem Guru mit einem NEIN entgegenstellt oder nachfragt, Zweifel äußert,sei dies “falsch”. Das ist nicht so. JedeR darf nein sagen, jedeR darf Zweifel haben (laut Luther gehören die Zweifel zum Glauben), jedeR darf gehen! Wenn man sich von einer Gruppe, einer Kirche, einer Institution, einem Meister löst, heißt es nicht, dass man “gottfern” ist.
Manchmal muss man sich auch von einer Gottesvorstellung lösen, um bei sich selbst wieder anzukommen, seinen Weg weitergehen zu können, um dann Gott neu finden zu können. Zweifel, Nein sagen, die Weiterentwicklung des gelernten Glaubens, das alles gehört zum Lebensweg.

Eine andere Form des spirituellen Missbrauchs tut man sich selber an

Dabei missbraucht man das göttliche Geheimnis und denkt, man könne darüber verfügen. Man denkt: “Jetzt habe ich Gott (oder wie auch immer ich ihn/sie/es bezeichne) gefunden – und jetzt muss alles immer leicht sein. Ich muss mich nicht mehr mit meinen Problemen und Mustern auseinandersetzen, Gott wird es richten.” Oder man denkt: “Ich habe eine echt tiefe Erkenntnis gehabt, jetzt weiß ich, wie es für mich und die gesamte Welt richtig ist. ”
Ich kann dazu nur aus eigener Erfahrung sagen: Pustekuchen. Es gibt keinen ‘spiritual bypass’. Nach dem “Taborerlebnis”, nach dem “Gipfelerlebnis” oder dem Erlebnis der Gottesberührung kommt immer wieder der Alltag, den es gut zu gestalten gilt, mit allen seinen Problemen. Der Alltag kann und sollte sich manchmal auch verändern dürfen, ja das ganze eigene Leben kann anders werden,  aber es geht nie einfach nach strikten Regeln. Und vor allem gelten meine Erkenntnisse nur für mich. Ich kann anderen davon erzählen, aber jeder msus seinen Weg selber gehen.

Eine weitere Form des spirituellen Missbrauches ist, alles “Unwissenschaftliche” zu ignorieren

Jegliche Gotteserfahrung, jegliche Form der Liebe, das gespürte Licht in einem selbst gehört zum Menschen und seinen Erfahrungen und sollte nicht ignoriert werden, weil es z.B. unwissenschaftlich ist.
Glaube gehört meines Erachtens zum Leben, und wie und was Du und  Sie glauben, das soll meines Erachtens Ihr Herz berühren, vom Herzen ausgehen und achtungsvoll mit Dir /Ihnen selber und anderen umgehen … Wie dieser Glaube für Dich oder für Sie konkret aussieht, das weiß ich nicht. Aber alles angeblich nicht Nachweisbare – ethische Werte, Liebe, Fürsorge, göttliche Berührungen, Heilungen, Sinn, Leben nach dem Tod, oder ähnliches einfach zu ignorieren, macht nachweislich krank. Und wenn einem die Liebe, die Fürsorge, Verständnis oder der Tod (im Umfeld) einmal ereilt, ist man im besten Fall ungeübt für Dinge, die über das Materielle hinausgehen. Verantwortungsbewußt können Menschen nur mit Dingen umgehen, die sie erstmal auch ansehen.

Wie auch immer der eigene Weg aussehen mag, gehen Sie liebevoll mit sich um auf Ihrem Lebensweg.

Zerbrochenes Kreuz - Martin Jäger - pixelio

Lieber Gott, mach mich fromm,
dass ich in den Himmel komm
Schutzengelmein ich bitte Dich,
erleuchte führe schütze mich,
Maria mit dem Kindelieb
uns allen Deinen Segen gib. Amen.

Wo ist mein Segen, wo ist meine Frömmigkeit
zerschlagen unter Versprechungen
von Gottes Stellvertretern,
Eine Sünde, eine Sünde
– ich begehe die Sünde,
wie
die vergewaltigte Ehebrecherin.

Keine Worte für die Geschehnisse,
denn es darf niemand wissen,
Unbenannt weiß ich sie selber kaum noch
– wie war was?
wozu den Schmerz wissen?
ist es nicht gut, den Schmerz zu vergessen?

Nur starr werde ich in Kirchen, körperliche Schmerzen
bei manchen Gebeten
Hauptsache weit weg.
Nicht mehr merken.
Anstellerei?

Nein nicht mehr.
Jetzt: Ein JA für mich.
Für alle solche Sünder, deren Sünde es war, als Kind zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein.
Ein Nein an Euch moralisch den Finger hebenden Langröcke,
die Kinder mißhandeln und Frauen zu Sündern erklären.

Denn eigentlich heißt es doch:
Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.

Oder?


Weil ich ein Mensch bin
… ist Liebe meine Religion,
… ist Wahrheit mein Leben,
… ist Freiheit mein Recht
Christina von Dreien


Kehre immer wieder zum Leben zurück.
Kehre zu Dir zurück.
Kehre zu deinem Herzen zurück.
Kehre zu Gott zurück.

Du bist nicht alleine.