Freunde und Hausgenossen

Kind Gottes? Heisst das etwa, das ich immer klein und abhängig bin? Werde ich denn nicht auch erwachsen?

Manche meinen, wenn man eine Beziehung zu der göttlichen Liebe, zu dem Vater im Himmel, zu der universelle Energie oder zu Gott hat, dann wären sie  klein und sündig. Christen seien in einer Abhängigkeitsposition von Gott, ER ist groß, allmächtig, unverstehbar.
Da merke ich: Bei dieser Vorstellung bin ich in einer Schublade; und Gott auch. Ich bin in der Schublade des immer gleichen. Keine Entwicklung. Dann würde das Leben sich immer im Kreis drehen: Ich bin sündig, Gott erlöst, dann bin ich wieder sündig, Gott erlöst wieder.
Da komme ich mir vor wie bei Sisyphus.

Für mich ist das Besondere aber am Christentum der Glaube von Jesus:
Wir sind Kinder Gottes. Jesus sagte: Betet so: Vater unser im Himmel. Für mich zeigt Jesus: Gott ist nicht fern, Gott ist nah. Gott steht zu uns in einer Beziehung. Jesus spricht Gott nicht mit Paul, Ernst oder Anna an, sondern mit: Vater. Das ist etwas Besonderes.  Da ist Jesus der Sohn Gottes – und wir sind auch die Kinder Gottes.

Ja, ich bin ein Kind Gottes. Und Gott, so glaube ich, nimmt mich liebevoll an.
Das ist gut. Aber manch einer bleibt dann wieder in der Klein-Kinder Rolle: Gott ist groß und muss für mich sorgen. Ich bin und bleibe klein und bedürftig.

Meine Erfahrung ist aber anders: Das Verhältnis zu den Eltern ändert sich … braucht das Kind die Fürsorge, wenn es klein ist, den Anstoß, wenn es größer wird, immer wieder ein offenes Ohr, so ist es doch, wenn es groß ist, selber verantwortlich. Es hat die Werte der Eltern – wenn es gut läuft –  verinnerlicht, aber auch verändert und sich selber aufgemacht, selber das Leben geformt. Und wie sich die Beziehung zu den Eltern ändern sollte, wenn man größer wird – so doch auch zu Gott.
Gott hat uns doch einen Verstand gegeben, ein Herz, einen Körper, und vor allem auch Entwicklungsmöglichkeiten.

Paulus schreibt (Epheserbrief 2,19) “So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.”

Und im Matthäusevangelium spricht Jesus(Matthäus 5, 14-16): “Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.  Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.  So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.”

Hier klingen für mich Entwicklungsmöglichkeiten an. Es bleibt nicht dabei stehen. Und ich selber … ich will auch weitergehen. Frei sein. Mein Licht leuchten lassen dürfen und sollen. Und darauf freue ich mich, mit Gott verbunden und doch frei, ein Kind sein und doch mich entwickeln.

Mein göttliches Licht in mir leuchten  lassen.

Gott ist Licht

LICHTGEBET

Oh du mein Gott,
gib mir Licht,
stärke mein Licht,
mache mich zu Licht.

Gott setze Licht in mein Herz,
Licht in meine Seele,
Licht in meinen Geist,
Licht in mein Bewusstsein,
Licht in mein Denken und
Licht in mein Tun.

Oh du mein Gott,
gib mir Licht,
stärke mein Licht,
mache mich zu Licht.

Gott setze Licht auf meine Zunge,
Licht in meine Augen,
Licht in meine Ohren,
Licht in meine Nerven,
Licht in mein Blut und
Licht in meine Haut.

Oh du mein Gott,
gib mir Licht,
stärke mein Licht,
mache mich zu Licht.

Gott setze Licht zu meiner Rechten,
Licht zu meiner Linken,
Licht hinter mir,
Licht vor mir,
Licht über mir und
Licht unter mir.

Oh du mein Gott,
gib mir Licht,
stärke mein Licht,
mache mich zu Licht.

vertont von Helge Burggrabe (hier zu hören)