Homosexualität – ein Problem?

Homosexualität und christlicher Glaube

Die Ehe für alle ist da! – Hier in Deutschland darf jedeR heiraten, egal, ob homosexuell oder heterosexuell. Weltweit nimmt die Akzeptanz gegenüber homosexuellen Menschen zu, Partnerschaften werden in vielen Teilen der Welt legal, ganz im Gegensatz zu der Welt vor 50 Jahren.

Was sagen Christen dazu?

Was kann Gott gegen die Liebe von gleichberechtigen Menschen, die keinem schaden und Verantwortung füreinander übernehmen, haben? Eben: Nichts.
Aber so manche sagen: Das gilt aber nicht für Homosexuelle, das ist gegen die Bibel! Weil diese leidbringende Einstellung in den Amtskirchen, vor allem in der katholischen Kirche und in Teilen der evangelischen Kirche sowie bei evangelikalen Christen noch verbreitet ist, möchten wir uns zum Thema Homosexualität und Bibel äußern.

In der Bibel gibt es kaum Stellen, die sich mit Homosexualität explizit beschäftigen. Es gibt kurze Sätze, um die geht es in der Diskussion:  Acht (8!) Bibelstellen, die meisten von diesen wenden sich gegen Kindesmißbrauch, (Massen)Vergewaltigung – nur zwei von diesen gegen die homosexuelle Praktik von Männern: “Wenn ein Mann bei einem Mann liegt wie bei einer Frau”. Das sei Gott ein Gräul. Aber im alten Testament ist auch anderes Gott ein Gräul, was wir auch nicht umsetzen, ohne uns ernsthaft Gedanken darüber zu machen: Sterben sollen die, die ihre Eltern fluchen oder schlagen. Gott ein Gräul sei es, wenn eine Frau “Mannszeug” trägt, z.B. Hosen. Selbst das Sabbatgebot, ein wichtiger Teil der zehn Gebote, wird oft nicht bewusst gehalten. Und die vielen Speisegebote werden auch nicht mehr beachtet, viele essen unreines Fleisch z.B. Schwein, Hase oder Hummer. Viele der damaligen Gebote und Regeln sind in der heutigen Zeit nicht mehr angesagt. Im Alten Testament war die Vielehe normal und auch im neuen Testament gab es selbstverständlich Sklaven. Sollen wir deswegen wieder Sklaven halten? Nein, sicherlich nicht.
Für manche ist es innerlich “widernatürlich”, sich Homosexualität vorzustellen. Denen mag es ähnlich gehen wie dem frommen Juden, der Schweinfleisch essen soll. Beim Essen gibt es viele Regeln, die Gott ja mal gesetzt haben soll. Diese innere Abwehr gegen unreines Fleisch ist bei Juden tiefsitzend. Aber was sagt das neue Testament z.B. im Umgang mit diesen Reinheitsgeboten? Petrus, der sich in der Apostelgeschichte mit Überzeugung und Entsetzen wehrt, “unreines” Fleisch zu essen – der muss sich im Traum sagen lassen: “Was Gott für rein erklärt, nenne du nicht unrein!” (Apostelgeschichte 10)
Ein verinnerlichtes, ursprünglich wichtiges Gebot wird also gottgewollt relativiert; wahrscheinlich weil es die “Heidenmission” erleichterte, denn so mussten die Heiden nicht erst Juden werden, bevor sie Christen werden konnten.

Warum nehmen viele die Abwehr gegen Homosexualität so selbstverständlich hin und fragen sich nicht, ob diese Abwehr überhaupt Gottes Willen entsprechen kann? Gegen gleichberechtigte Beziehungen wendet sich die Bibel nicht.

Homosexualität und christlicher Glaube sind für manche ein Widerspruch, aber nicht für uns. Denn:

Wenn man mich fragt: Was ist wichtig am Christentum – was sage ich dann? Sage ich etwas: Die Hauptsache ist, dass wir Christen gegen Homosexualität und Scheidung sind? Nein, auch wenn dies bei manchen tiefsitzend ist.
Ich würde sagen: Dass Gott Liebe ist und Jesus für uns gestorben ist, damit wir wissen, dass es weitergeht. Das höchste Gebot ist im Christentum das Doppelgebot: Liebe Gott und den Nächsten wie Dich selbst.
Was würdest Du sagen – was Dir wichtig an der Bibel ist?

Und was sagt Jesus selber zur Homosexualität?
NICHTS.
Vielleicht war es ihm nicht wichtig.
Er sagt eine Menge zu Neid, Vergebung, Liebe, Offenheit, Frieden, zu reichen und armen Menschen, zu Selbstgerechtigkeit und Langmut.

Und was sagt Jesus Christus zu ausgegrenzten Menschen, zu Sündern und zu fremden Völkern?
Jesus sagt über den nichtjüdischen Hauptmann von Kapernaum, der so sehr um seinen Knecht bemüht ist, dass man sich schon fragt, ob er ihm nicht näher steht: “Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!”(Mt8,5-13).

Jesus lädt alle ein.
Und Jesus wendet sich nach dem Matthäusevangelium gegen die, die glauben zu wissen, was richtig ist, in dem Fall gegen die Schriftgelehrten: “Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich, …(ihr) lasst die nicht hinein, die hinein wollen” (Mt23,13)
Hier eröffnet sich eine neue Perspektive. Könnte es nicht sein, dass nicht die, die homosexuell sind, Gott fern sind, sondern die, die meinen zu wissen, dass Homosexuelle ausgegrenzt gehören?
Das Hauptgebot im Alten und im Neuen Testament ist die Liebe. Und darauf kommt es an. Die Liebe zu Gott, zu dem Nächsten und zu sich selber. Und wer bin ich, dies zu zerstören und nicht zu fördern? Gottes Geist weht eben auch an Stellen, an die ich nicht denke. Und wenn ich Menschen verurteile, die eine gleichberechtige Liebe leben, egal ob homosexuell oder heterosexuell, dann füge ich anderen Leid zu.

Daher begrüßen wir es sehr, dass es in vielen evangelischen Landeskirchen die Segnung homosexueller Paare gibt, damit die Menschen, die sich füreinander und die Liebe entscheiden, auch offiziell Gottes Segen erhalten können.

Weitere Informationen zur Homosexuahlität

Informationen über Homosexualität und …

Nicht mehr zu halten
losgelöst aus der Enge des Wollens
Wunderbares geschieht mit uns
in dieser tragenden Haltlosigkeit

Nicht mehr zu begreifen
hieneingespült in die Kunst des Liebens
Stauenswertes ereignet sich mit uns
in dieser klaren Unbegreiflichkeit

Nicht mehr zu verstehen
entrückt in die göttliche Nähe
leibhaftes Beten schenkt sich uns
verbindet uns mitfühlend mit allem

Pierre Stutz aus: Deine Küsse verzaubern mich, S. 119

Nicht nur im Geheimen
deine Hand halten.
Nicht nur im Kämmerlein
verschüchtert ja sagen.
Nicht nur im Bett spüren,
dass Gott in unserer Liebe ist.
sondern sich von anderen stärken lassen
sondern mit anderen ja sagen
sondern auch feiern können
lachen und spüren:
Gott ist da.
Mitten unter uns.
Schaut nur!

Lesbische Familie

Das Foto zeigt eine Lesbische Familie in Neuseeland (Wikipedia, Bild von 2004)

1990 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen. 1992 stellten die „American Psychological Association“ und die WHO fest: „Gleichgeschlechtliche Sexualität ist weder eine Geisteskrankheit noch moralisch verwerflich (…) Versuche, die soziosexuelle Orientierung zu ‚reparieren’, stellen nichts anderes als psychologisch verbrämte soziale Vorurteile dar.“